06.03.2025
Kann KI wirklich Gedanken lesen? – Die Unstatistik des Monats
Im Februar sorgte eine Studie über die Deep-Learning-Architektur Brain2Qwerty für Aufsehen. Verschiedene Medien berichteten, dass Metas KI Gedanken mit 80-prozentiger Genauigkeit lesen könne. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass diese Aussagen stark übertrieben sind.
Die Studie wurde von Meta und dem Baskischen Zentrum für Kognition, Gehirn und Sprache mit 35 Teilnehmern durchgeführt. Diese Technologie nutzt EEG (Elektroenzephalographie) und MEG (Magnetoenzephalographie), um Signale zu entschlüsseln, die beim Tippen auf einer Tastatur entstehen. Die Teilnehmer mussten kurze Sätze tippen, während ihre Gehirnströme gemessen wurden. Die KI versuchte dann, die getippten Sätze anhand dieser Signale zu rekonstruieren. Dies könnte als „Gedankenlesen“ bezeichnet werden, allerdings nur unter streng kontrollierten Laborbedingungen.
Die Teilnehmer saßen in einem speziell abgeschirmten Raum und tippten die vorgegebenen Sätze ein. Die KI entzifferte die motorischen Signale der Fingerbewegungen und nutzte ein Sprachmodell (Large Language Model, LLM), um Tippfehler zu korrigieren und sinnvolle Wortfolgen zu erstellen.
Die besten Ergebnisse der Studie erreichten eine Genauigkeit von 81 Prozent, die schlechtesten nur 29 Prozent. Im Durchschnitt konnte die KI 68 Prozent der Signale bei MEG und 33 Prozent bei EEG korrekt entschlüsseln. Diese Werte zeigen, dass die Technologie noch weit von der behaupteten 80-prozentigen Genauigkeit entfernt ist.
Trotz dieser Einschränkungen sind die Fortschritte beachtlich. Zukünftig könnten solche Systeme Patienten helfen, die ihre Fähigkeit zu sprechen oder zu tippen verloren haben. Sie könnten Wörter gedanklich auf einer Tastatur lokalisieren. Von echtem „Gedankenlesen“ ist die KI jedoch noch weit entfernt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Tech-Journalisten solche Studien in Zukunft besser interpretieren, bleibt bestehen – vielleicht sogar schneller als die tatsächliche Entwicklung von Gedanken lesender KI.
Quelle: http://www.rwi-essen.de
Thema: Informationen Gesundheit | 06.03.2025 |
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