Suizidraten in Deutschland alarmierend
Suizidpräventionsgesetz überfällig - Methodenrestriktion muss Suizidassistenz umfassen
Berlin, 29.01.2026. Der Deutsche Caritasverband e.V. ist alarmiert von den Entwicklungen der Suizidraten in Deutschland. Nach aktuellen Zahlen bleibt Suizid weiterhin die häufigste Todesursache bei jungen Menschen. Gleichzeitig nehmen Suizide von Menschen über 65 Jahren drama-tisch zu. Hier ist die Suizidrate seit 2020 um 30 Prozent angestiegen. In dieser Altersgruppe ist die Zahl der assistierten Suizide besonders hoch. Es sind hier vor allem Frauen, die Suizidassistenz in Anspruch nehmen.
Diese Zahlen müssen uns als Gesellschaft wachrütteln. Sie sind Ausdruck einer Kultur, in der Lebensmut immer enger an Leistungsfähigkeit gekoppelt ist”, warnt Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. “Offenbar sind gerade Frauen, die lebenslang Care-Verantwortung getragen haben, von der Angst geplagt, anderen zur Last zu fallen. Angebote der Suizidassistenz lassen bei ihnen den Druck entstehen, sich mit der Frage auseinander setzen zu müssen, ob das eigene Leben noch lebenswert ist. Wir brauchen eine entschlossene Suizidpräventionspolitik - für alle!”
Der Deutsche Caritasverband fordert den Bundestag auf, noch in diesem Jahr ein Suizidpräventionsgesetz auf den Weg zu bringen.
Motive, Gefahrenlagen und Methoden des Suizids unterscheiden sich je nach Alter, Geschlecht und Lebenslage. Zielgruppenspezifische Angebote sind unabdingbar, um zu verhindern, dass Suizid als einziger Ausweg erscheint und dass Nachahmungs-Effekte provoziert werden. Dazu gehört in jedem Fall eine breit wirksame Methodenrestriktion, die dem spontanen Impuls Grenzen setzt und Menschen in suizidalen Krisen Zeit für neue Perspektiven auf das Leben schenkt.
Das bedeutet nicht nur die Beschränkung des Zugangs zu Hotspots an Bahngleisen, Brücken und Türmen durch Zäune. Ebenso wichtig sind nach Auffassung des Deutschen Caritasverbands Zugangsbeschränkungen zu tödlichen Arzneimitteln und „Zäune“ um die Suizidassistenz, damit das Angebot der Sterbehilfe die Menschen nicht schneller erreicht als Hilfen, die ein Weiterleben erstrebenswert erscheinen lassen.
Eva Welskop-Deffaa: “Wir fordern eine konsequente Methodenrestriktion, die alle Altersgruppen in ihren spezifischen Bedürfnissen in den Blick nimmt: die Altenhilfe und den für sie so wichtige Schutzgedanken bei Pflegebedürftigkeit ebenso wie gesellschaftliche Anstrengungen gegen Einsamkeit.“
Thema: Informationen Gesundheit Familie & Kind | 09.02.2026 |