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03.11.2026

Unsichtbare Beeinträchtigungen, pflegende Angehörige – warum die Arbeitswelt umdenken muss

Nur jedes fünfte Unternehmen hat das Arbeiten mit chronischen Erkrankungen und nicht sichtbaren Behinderungen strategisch verankert. Gleichzeitig wird die Zahl der Beschäftigten, die Angehörige pflegen, deutlich steigen. Zwei aktuelle Befunde zeigen, wie viel bei Inklusion im Arbeitsleben noch zu tun ist.

Nicht sichtbar – aber real

Anlässlich des Tages der nicht sichtbaren Beeinträchtigungen hat das Sozialunternehmen myAbility beim “Visible+ Dialog” eine Unternehmensbefragung vorgestellt. Das Ergebnis: Obwohl in Deutschland viele Menschen mit chronischen Erkrankungen leben, haben nur 21 Prozent der Unternehmen das Thema Arbeiten mit chronischen Erkrankungen und nicht sichtbaren Behinderungen strategisch in ihren Abläufen verankert.

myAbility fasst seine Empfehlungen zur Wiedereingliederung in eine einfache Formel: früher, einfacher, länger. Gemeint ist, dass Unterstützung früher ansetzen, Verfahren unkomplizierter werden und Begleitung länger andauern sollte.

Für Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen ist das ein wichtiges Signal. Sie erleben häufig, dass ihr Unterstützungsbedarf nicht erkannt oder angezweifelt wird. Viele entscheiden sich deshalb, ihre Beeinträchtigung am Arbeitsplatz nicht offenzulegen – aus Sorge vor Nachteilen. Eine Unternehmenskultur, die das Thema offen und strategisch angeht, schafft Vertrauen und ermöglicht angemessene Vorkehrungen, wie sie Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention (Arbeit und Beschäftigung) verlangt. Instrumente wie das betriebliche Eingliederungsmanagement oder Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach dem SGB IX greifen nur dann gut, wenn Betriebe sie aktiv nutzen.

Pflegende Angehörige: eine wachsende Gruppe

Eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung und des Forschungsinstituts Prognos zeigt eine zweite Herausforderung: 2023 pflegten 8,7 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ein Familienmitglied, 2045 werden es voraussichtlich rund 13,3 Prozent sein. Ohne bessere Möglichkeiten, Beruf und Pflege zu vereinbaren, könnten bis 2045 bis zu 229.000 Vollzeitstellen verloren gehen.

Familien von Menschen mit Behinderungen kennen diese Situation oft seit vielen Jahren – nicht erst im Alter der Eltern, sondern von Geburt eines Kindes an. Eltern, Geschwister und Partnerinnen und Partner übernehmen Unterstützung, Organisation und Begleitung, häufig neben dem Beruf. Fehlt es an flexiblen Arbeitszeitmodellen, verlässlichen Assistenz- und Entlastungsangeboten, reduzieren viele ihre Arbeitszeit oder steigen ganz aus – mit Folgen für Einkommen und spätere Rente.

Ungleichheit als Gesundheitsrisiko

Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO passt ins Bild: Ungleichheiten bei nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen sind weltweit tief verankert. Benachteiligte Gruppen tragen in fast allen Ländern die höchste Krankheitslast und haben eine geringere Lebenserwartung. Einkommen, Bildung, Geschlecht, Alter und Wohnort beeinflussen laut WHO das Erkrankungsrisiko und den Zugang zu Gesundheitsleistungen. Für Menschen mit Behinderungen, die häufiger von Armut und Barrieren im Gesundheitswesen betroffen sind, ist ein gleichberechtigter Zugang zu Prävention und Versorgung deshalb besonders wichtig.

Was folgt daraus?

Inklusion am Arbeitsplatz betrifft nicht nur Menschen mit sichtbaren Behinderungen. Sie umfasst auch chronisch erkrankte Beschäftigte, Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen und pflegende Angehörige. Unternehmen, die hier strategisch handeln, sichern Fachkräfte – und Beschäftigte gewinnen Sicherheit und Selbstbestimmung.

Quelle: Newsletter “G+G Update” des AOK-Bundesverbandes (Gesundheit und Gesellschaft – das AOK-Forum für Politik, Praxis und Wissenschaft).

Thema: Informationen | 03.11.2026 |

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