„Bildung auf einen Blick 2026“ – was die OECD-Zahlen für inklusive Bildung bedeuten
Die OECD hat ihre jährliche Studie „Bildung auf einen Blick“ vorgelegt. Deutschland punktet bei beruflicher Bildung und früher Bildung, doch der Anteil junger Erwachsener ohne Berufsabschluss steigt, und der Lehrkräftemangel ist spürbar. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen stellen sich daraus wichtige Fragen.
Die wichtigsten Ergebnisse
Laut Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums vom 29. September 2026:
- 86 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben mindestens einen Abschluss der Sekundarstufe II (OECD: 82 Prozent).
- 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen haben einen tertiären Abschluss – 11 Prozentpunkte mehr als 2015.
- Der Anteil mittlerer Qualifikationen als höchster Abschluss sank von 58 Prozent (2015) auf 45 Prozent (2025), bei beruflichen Abschlüssen von 51 auf 38 Prozent.
- Knapp 14 Prozent der 25- bis 34-Jährigen haben keinen Abschluss der Sekundarstufe II – Tendenz leicht steigend, während der OECD-Schnitt auf 12 Prozent gesunken ist.
- 11 Prozent der 18- bis 24-Jährigen waren 2025 weder beschäftigt noch in Bildung oder Ausbildung, zwei Prozentpunkte mehr als 2015.
- 96 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchten 2024 eine Kita; der Betreuungsschlüssel liegt bei 7,5 Kindern je Fachkraft (OECD: 9,4).
Berufliche Bildung als Stärke – für wen?
Die berufliche Bildung bietet sehr gute Beschäftigungsperspektiven: 89 Prozent der 25- bis 34-Jährigen mit beruflichem Abschluss sind beschäftigt. Für junge Menschen mit Behinderungen, etwa mit Down-Syndrom, ist der Zugang zu regulärer Ausbildung jedoch oft schwierig. Wenn berufliche Bildung eine Stärke des Systems ist, muss sie auch inklusiv zugänglich sein – mit Unterstützung, angepassten Ausbildungsformen und Begleitung im Betrieb. Artikel 24 und 27 der UN-Behindertenrechtskonvention fordern lebenslanges inklusives Lernen und gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Übergänge nicht aus dem Blick verlieren
Bundesministerin Karin Prien betont, Bildung müsse „Top-Priorität“ werden – über die gesamte Bildungsbiografie hinweg. Sie verweist auf den leicht steigenden Anteil junger Erwachsener ohne Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung: „Hier müssen wir besser verstehen, wie wir diese jungen Leute erreichen können.“ Eine bessere Datengrundlage, etwa über eine Bildungsverlaufsstatistik, sei dafür Voraussetzung.
Für Familien von Jugendlichen mit Behinderungen ist der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Arbeit oft eine besonders kritische Phase. Eine Datengrundlage, die auch die Bildungswege junger Menschen mit Behinderungen sichtbar macht, wäre ein wichtiger Schritt.
Lehrkräftemangel und inklusive Schule
Schwerpunkt der diesjährigen Studie ist der Lehrkräftemangel. In Deutschland zeigt er sich darin, dass auch Lehrkräfte eingesetzt werden, die noch nicht alle Qualifikationsanforderungen erfüllen. Dr. Dorit Stenke, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, fordert für die Bildungsministerkonferenz klare Qualitätsstandards auch für neue Wege ins Lehramt und betont, Lehrkräfte müssten „dort früh ansetzen, wo Schülerinnen und Schüler zusätzliche Unterstützung benötigen“.
Gerade inklusiver Unterricht braucht gut qualifizierte Lehrkräfte und Fachpersonal. Für Kinder mit Behinderungen darf der Personalmangel nicht dazu führen, dass Inklusion auf der Strecke bleibt.
Frühe Bildung
Erfreulich: Die Kita-Beteiligung steigt, das Personal wurde deutlich ausgebaut. Mit dem Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz sollen Kitas bis 2034 mit 9,25 Milliarden Euro gestärkt werden. Inklusive Kitas sind für viele Familien der erste Ort gelebter Teilhabe.
Weitere Informationen:
https://www.oecd.org/en/publications/education-at-a-glance-2026_b4968bbc-en.html&source=gmail&ust=1791352906237000&sa=E
https://www.statistikportal.de/de/veroeffentlichungen/internationale-bildungsindikatoren-im-laendervergleich&source=gmail&ust=1791352906237000&sa=E
Thema: Informationen Familie & Kind | 27.10.2026 |