Community Health Nurses
Mehr Verantwortung für Pflegefachpersonen, bessere Begleitung für Menschen mit chronischen Erkrankungen?
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und der Bosch Health Campus haben Vorschläge vorgelegt, welche Aufgaben Community Health Nurses in der Primärversorgung übernehmen könnten. Für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen könnte das eine niedrigschwellige, kontinuierliche Begleitung bedeuten.
Worum es geht
Die Gesundheitspolitik arbeitet an einer Reform der Primärversorgung. Dabei stellt sich die Frage, welche Berufsgruppe künftig welche Aufgaben übernimmt. Zwei neue Publikationen – ein fachlicher Vorschlag des DBfK-Arbeitskreises „Heilkunde“ und ein Rechtsgutachten – sollen dafür Grundlagen liefern. Den Aufgabenkatalog haben Pflegefachpersonen und Ärztinnen und Ärzte gemeinsam entwickelt.
Welche Aufgaben vorgeschlagen werden
Community Health Nurses (CHN) könnten demnach unter anderem:
- eigenverantwortlich eine Anamnese erheben und Basisuntersuchungen durchführen,
- einfache Erkrankungen diagnostizieren,
- Arzneimittel auf Grundlage von Behandlungspfaden und Positivlisten verordnen,
- unter definierten Voraussetzungen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen,
- den Medikationsplan erstellen und aktualisieren,
- chronisch kranke Menschen koordinieren, navigieren und kontinuierlich begleiten,
- eigenverantwortlich impfen und Wunden versorgen,
- in der Palliativversorgung eng interprofessionell mitarbeiten.
Ausdrücklich geht es nicht um Konkurrenz zu Hausärztinnen und Hausärzten. Diese bleiben für komplexe, instabile oder diagnostisch unklare Situationen zuständig; für akute oder komplexe Lagen gilt eine klar definierte Eskalationsregel.
Warum das für Menschen mit Behinderungen relevant ist
Viele Menschen mit Behinderungen – auch Menschen mit Down-Syndrom – leben mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen und brauchen regelmäßige Kontrollen, gut abgestimmte Medikation und Ansprechpersonen, die sie und ihr Umfeld kennen. DBfK-Präsidentin Vera Lux betont, dass Community Health Nurses gerade für Menschen mit chronischen und komplexen Erkrankungen Versorgungslücken schließen können. Koordination und Navigation im Gesundheitssystem sind für Familien oft eine große Belastung; eine kontinuierliche, niedrigschwellige Begleitung kann hier entlasten. Das entspricht dem Anspruch der UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 25) auf eine wohnortnahe, gleichwertige Gesundheitsversorgung.
Was noch fehlt
Mit dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) gibt es erstmals eine gesetzliche Grundlage für erweiterte heilkundliche Tätigkeiten von Pflegefachpersonen. Für Community Health Nurses reicht das nach Ansicht von DBfK und Bosch Health Campus aber nicht aus. Sie fordern einen eigenständigen gesetzlichen Rahmen für Advanced Practice Nursing auf Masterniveau, klare Kompetenzgrenzen, Qualifikationsstandards, Regeln zu Aufklärung, Dokumentation, Haftung und Versicherung sowie eine Vergütung eigenständiger CHN-Leistungen. „Entscheidend ist letztlich, dass Patientinnen und Patienten von den Leistungen profitieren“, sagt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher vom Bosch Health Campus.
Die neue Aufgabenverteilung soll wissenschaftlich begleitet erprobt und dann dauerhaft in der Regelversorgung verankert werden.
Ausblick
Damit Community Health Nurses Menschen mit Behinderungen wirklich erreichen, sollten Barrierefreiheit, verständliche Kommunikation und Erfahrung mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen von Anfang an Teil von Qualifikation und Versorgungskonzepten sein.
Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK)
Thema: Informationen Gesundheit Familie & Kind | 12.10.2026 |