Evidenzlücken sichtbar machen: IQWiG bietet Selbsthilfeverbänden GAP-Analysen an
Was wissen wir eigentlich über den Nutzen einer Therapie – und was fehlt? Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bietet Verbänden der Selbsthilfe an, vorhandene sogenannte GAP-Analysen für ihr Themenfeld zu recherchieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Studien das untersuchen, was für Betroffene wirklich wichtig ist.
Das Problem: Zu wenig Wissen
Wenn es um therapeutische oder diagnostische Verfahren geht, steht fast immer die Frage nach der „Evidenz“ im Raum: Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für den Nutzen? In vielen Bereichen gibt es jedoch Evidenzlücken – man weiß schlicht noch zu wenig über Nutzen und Risiken von Behandlungsmöglichkeiten. Für Menschen mit seltenen Erkrankungen, mit Behinderungen oder mit besonderen gesundheitlichen Bedürfnissen ist das ein bekanntes Problem: Sie kommen in Studien oft kaum vor.
Was ist eine GAP-Analyse?
Eine GAP-Analyse ist ein strukturiertes Verfahren, mit dem sich solche Lücken untersuchen lassen. Sie klärt:
- welche Daten vorhanden sind,
- welche Daten fehlen,
- welche Evidenzanforderungen nicht erfüllt sind,
- welche methodischen Probleme bei vorhandenen Studien bestehen,
- welche Konsequenzen das für die Nutzenbewertung bestimmter Behandlungsoptionen hat.
Das Angebot des IQWiG
Das IQWiG bietet an, bereits vorhandene GAP-Analysen für einzelne Verbände zu identifizieren. Dabei will das Institut sich zunächst auf eine Frage konzentrieren: Wird das, was aus Sicht der Betroffenen relevant ist, in Studien überhaupt als Ziel bzw. als Endpunkt untersucht? Anschließend recherchiert das IQWiG veröffentlichte GAP-Analysen und beschreibt sie. Berücksichtigt werden Analysen, die zwei Bestandteile haben: eine Erhebung dessen, was Betroffenen wichtig ist, und einen Abgleich mit den Studien, die im jeweiligen Anwendungsgebiet durchgeführt wurden.
Zusätzlich zur Datenbankrecherche ist das IQWiG ausdrücklich an Projekten interessiert, die Selbsthilfeorganisationen zur Klärung der Evidenzlage bereits durchgeführt haben oder planen.
Warum das für Menschen mit Behinderungen wichtig ist
Ob eine Leistung von der Krankenkasse bezahlt wird, hängt in Deutschland oft von der Nutzenbewertung ab. Wenn Studien vor allem Werte messen, die für Fachleute wichtig sind, aber nicht Alltagsfragen wie Selbstständigkeit, Kommunikation, Teilhabe oder Lebensqualität, dann fehlt die Perspektive der Betroffenen. Genau hier setzt der Ansatz an: Die Sicht von Patientinnen und Patienten und ihren Familien soll zum Maßstab werden.
Das passt zum Gedanken der UN-Behindertenrechtskonvention, die eine gleichberechtigte Gesundheitsversorgung und die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen und ihren Organisationen fordert. Selbsthilfeverbände verfügen über viel Erfahrungswissen. Wenn sie es systematisch einbringen, kann das helfen, Forschungslücken sichtbar zu machen – und langfristig die Versorgung zu verbessern.
Wie geht es weiter? Was hat das mit Menschen mit Down-Syndrom zu tun?
Wenn Sie eine Frage haben prüfen wir gerne, ob sich daraus eine entsprechende Analyse ergeben kann, aus der sich Antworten ableiten lassen. Sprechen Sie uns an: .(Javascript muss aktiviert sein, um diese Email-Adresse zu sehen)
Thema: Informationen Gesundheit Selbsthilfe | 12.10.2026 |