Fehlzeiten-Report 2026: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz rückt weiter in den Fokus
Psychisch bedingte Krankschreibungen sind bei AOK-versicherten Beschäftigten in zehn Jahren um knapp 42 Prozent gestiegen. Der Fehlzeiten-Report 2026 zeigt aber auch: Gute Arbeit kann schützen – ein wichtiger Gedanke für eine inklusive Arbeitswelt.
Ein Thema mit langer Geschichte
Als das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) 1999 seinen ersten Fehlzeiten-Report veröffentlichte, lautete der Titel „Psychische Belastung am Arbeitsplatz“. Gut 25 Jahre später ist der Schwerpunkt des Fehlzeiten-Reports 2026 erneut ganz ähnlich: „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt“. Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch alle Ausgaben – mit wachsender Bedeutung.
Die wichtigsten Zahlen
Nach den Daten des Reports sind die psychisch bedingten Fehlzeiten bei AOK-versicherten Beschäftigten in den vergangenen zehn Jahren um knapp 42 Prozent gestiegen. Auffällig ist vor allem die Dauer: Während eine Krankschreibung wegen einer Atemwegserkrankung im Schnitt 5,7 Tage dauert, sind es bei psychischen Erkrankungen durchschnittlich 28,5 Tage.
Hinter den Fehlzeiten stehen vor allem schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, Depressionen, Angststörungen sowie neurotische Störungen. Die Begleitdiagnose „Burnout“ hat sich zwischen 2016 und 2025 beinahe verdoppelt. Besonders häufig betroffen sind Beschäftigte in Callcentern, in der Pflege und in Erziehungsberufen – also gerade in Berufen, in denen viele Menschen mit Unterstützungsbedarf begleitet werden.
Differenziert hinschauen
Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) an der Universität Leipzig, mahnte bei der Vorstellung zu einer genauen Betrachtung. Steigende Fehlzeiten bedeuten nicht automatisch, dass psychische Erkrankungen in gleichem Umfang zugenommen haben. Sie werden heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt.
Zudem entstehen psychische Erkrankungen nicht allein durch Überlastung im Job. Sie sind „multifaktoriell“: Biologische und psychologische Voraussetzungen, die eigene Lebensgeschichte, private Belastungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen wirken zusammen.
Arbeit kann auch schützen
Ein Punkt, der oft untergeht: Arbeit kann belasten, sie kann aber auch schützen. Sie schafft finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit, vermittelt Zugehörigkeit, gibt dem Alltag Struktur und ermöglicht Selbstwirksamkeit, Kompetenzerleben und Sinn.
Was bedeutet das für Menschen mit Behinderungen?
Genau diese schützenden Seiten von Arbeit sind der Kern dessen, was die UN-Behindertenrechtskonvention in Artikel 27 mit dem Recht auf Arbeit meint. Wer Menschen mit Behinderungen den Zugang zu guter, passender Arbeit ermöglicht, stärkt nicht nur ihre Teilhabe, sondern auch ihre psychische Gesundheit. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie wichtig gesunde Arbeitsbedingungen in Pflege und Erziehung sind – denn Menschen mit Behinderungen und ihre Familien sind auf verlässliche, nicht ausgebrannte Fachkräfte angewiesen. Gute Arbeit ist also in doppelter Hinsicht eine Teilhabefrage.
Weitere Informationen der AOK zum Fehlzeiten-Report 2026:
https://www.google.com/url?q=https://www.aok.de/pp/bv/pm/fehlzeiten-report-2026/&source=gmail&ust=1791611843552000&sa=E
Quelle: Beitrag des AOK-Pressesprechers Dr. Kai Behrens zum Fehlzeiten-Report 2026 des WIdO
Thema: Informationen Gesundheit Familie & Kind | 22.10.2026 |