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26.10.2026

Herkunft, Identität, Begleitung – was Auslandsadoption für Kinder und Familien bedeutet

Das LVR-Landesjugendamt Rheinland startet die Reihe „Menschen.Machen.Jugendhilfe.“ Im ersten Interview erklärt Wolfgang Köhler, Leiter der Zentralen Adoptionsstelle, warum Auslandsadoptionen selten geworden sind, wer heute international vermittelt wird – und warum Begleitung nicht mit dem Gerichtsbeschluss endet.

Was die Zentrale Adoptionsstelle macht

Die Zentrale Adoptionsstelle beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) ist staatliche Auslandsvermittlungsstelle und Zentrale Behörde nach dem Haager Adoptionsübereinkommen für das Rheinland. Sie begleitet internationale Adoptionsverfahren und auch Adoptivfamilien und Adoptierte danach. Außerdem berät sie die 41 Adoptionsvermittlungsstellen im Rheinland, beaufsichtigt die zehn Stellen in freier Trägerschaft und nimmt gegenüber den Familiengerichten zu allen Adoptionsverfahren mit Auslandsbezug Stellung.

Wenige Vermittlungen – oft Kinder mit besonderem Bedarf

Weltweit sind Auslandsadoptionen in den letzten zehn Jahren stark zurückgegangen. In Deutschland wurden zuletzt bundesweit nur etwa 50 Kinder aus dem Ausland vermittelt. Eine internationale Vermittlung kommt laut Köhler nur noch ausnahmsweise in Betracht – insbesondere für Kinder, für die im Herkunftsland keine Lösung gefunden werden kann, etwa wegen ihres Alters oder ihres Gesundheits- und Entwicklungsstandes.

Das ist auch aus Sicht der Behindertenhilfe bemerkenswert: Wer heute ein Kind aus dem Ausland adoptiert, nimmt häufig ein Kind mit gesundheitlichen Besonderheiten oder Entwicklungsbedarf auf. Gute Vorbereitung, Wissen über passende Unterstützungsangebote und eine offene Haltung gegenüber Vielfalt sind dann besonders wichtig.

Identität zwischen den Kulturen

Oft unterschätzt werde, so Köhler, vor welchen Herausforderungen auslandsadoptierte Kinder in ihrer Identitätsentwicklung stehen. Sie wachsen in Deutschland auf, fühlen sich zugehörig – und erleben zugleich, dass sie als „anders“ wahrgenommen werden. Häufig kommt es zu Diskriminierungserfahrungen. Adoptivfamilien müssen ihre Kinder darin stärken, selbstbewusst mit Fremdzuschreibungen umzugehen. Viele Adoptierte wissen zudem wenig über ihre leiblichen Eltern, und die Suche im Ausland ist sehr eingeschränkt.

Diese Erfahrung kennen auch viele Menschen mit Behinderung und ihre Familien: Zugehörigkeit hängt nicht davon ab, „wie alle anderen“ zu sein. Kinder brauchen ein Umfeld, das sie stärkt, statt sie über Zuschreibungen zu definieren.

Recht, Psychologie und Pädagogik zusammen denken

Eine Adoption betrifft das Kind, die abgebenden und die annehmenden Eltern dauerhaft. Köhler betont deshalb den interdisziplinären Blick: Recht sichert das Kindeswohl und die Rechte aller Beteiligten, Pädagogik unterstützt bei Erziehung und besonderen Bedürfnissen, Psychologie berücksichtigt Trennungserfahrungen, mögliche Traumata und Identitätsfragen.

Begleitung über Jahre

Adoption endet nicht mit der Vermittlung. Fragen nach Herkunft, Kontakt oder Biografie verändern sich mit dem Alter und brauchen altersangemessene Antworten. Die Zentrale Adoptionsstelle begleitet Auslandsadoptierte bei der Einsicht in ihre Adoptionsakte, unterstützt nach Möglichkeit bei der Herkunftssuche und bietet regelmäßige Online-Austauschtreffen sowie Präsenztreffen an.

Landschaftsverband Rheinland (Reihe „Menschen.Machen.Jugendhilfe.“). Weitere Informationen: https://www.google.com/url?q=https://www.lvr.de&source=gmail&ust=1791439145820000&sa=E

Thema: Informationen Gesundheit Familie & Kind | 26.10.2026 |

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