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13.10.2026

Nicht unter Generalverdacht: Verbände fordern Fairness für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Zum Tag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober appellieren die Verbände des Kontaktgesprächs Psychiatrie an Medien und Politik: Menschen mit psychischen Erkrankungen dürfen nicht zum Sündenbock der Sicherheitsdebatte werden. Geplante Registrierungen und eine aufgeweichte Schweigepflicht gefährden Grundrechte – und jahrelange Arbeit gegen Stigmatisierung.

Ein Klima, das ausgrenzt

Mit dem erklärten Ziel, Gewalttaten vorzubeugen, erleben wir nach Einschätzung der Verbände seit Monaten ein gesellschaftliches Klima und eine Politik, die Menschen ausgrenzt und diskriminiert. Medien spielen dabei eine wichtige Rolle: Über Menschen mit Gewaltpotenzial wird oft unreflektiert berichtet – sowohl im Zusammenhang mit Migration als auch mit psychischen Erkrankungen. Ein Bezug zu einer psychischen Erkrankung wird häufig hergestellt, auch wenn unklar ist, ob eine solche Erkrankung überhaupt vorliegt oder ob sie mit der Tat zusammenhängt.

Registrierung statt Hilfe?

Diese Berichterstattung hat Folgen. In mehreren Bundesländern wird über die Psychisch-Kranken-(Hilfe-)Gesetze daran gearbeitet, eine Registrierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen einzuführen. Hintergrund ist die Sicherheitsdebatte nach mehreren schockierenden Attentaten, besonders im Jahr 2025. Die Verbände halten dagegen: Keines dieser Verbrechen hätte durch eine Registrierung psychisch erkrankter Menschen verhindert werden können.

Dennoch wurden und werden in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und weiteren Ländern Neufassungen der Gesetze auf den Weg gebracht, die den Austausch und die Sammlung von Gesundheitsdaten vorsehen oder den Gefahrenbegriff ausweiten. Eine Einschränkung der Menschenrechte von Menschen mit psychischen Erkrankungen zur Gewaltprävention werde nur in Deutschland diskutiert und umgesetzt – und sei widersinnig.

Appell an Medienschaffende

Die Verbände rufen alle Medienschaffenden auf, wieder sensibler und differenzierter über die Ursachen von Gewalttaten zu berichten und bei den Fakten zu bleiben. Ein schlecht recherchierter Artikel könne das jahrelange Bemühen um Entstigmatisierung zunichtemachen. Ausdrücklich bitten sie darum, darüber zu berichten, wenn in neuen Landesgesetzen die ärztliche Schweigepflicht aufgeweicht oder die Möglichkeiten von Zwangseinweisungen ausgeweitet werden sollen.

Appell an die Politik

Auch die Politik lasse sich gegen besseres Wissen von Medien treiben, wenn sie meine, auf gefühlte Bedrohungen reagieren zu müssen. Das Kontaktgespräch Psychiatrie fordert alle demokratischen Politikerinnen und Politiker auf, nicht für kurzfristige populistische Erfolge alle Menschen mit psychischen Erkrankungen unter Generalverdacht zu stellen.

Warum das alle Menschen mit Behinderungen angeht

Psychische Beeinträchtigungen sind nach der UN-Behindertenrechtskonvention Teil des Behinderungsbegriffs. Wer Menschen wegen einer Diagnose registriert oder ihre Gesundheitsdaten leichter weitergibt, berührt Grundsätze wie Nichtdiskriminierung, Selbstbestimmung und den Schutz der Privatsphäre. Für Betroffene und ihre Familien steht viel auf dem Spiel: Wer fürchten muss, „erfasst“ zu werden, sucht womöglich später oder gar nicht Hilfe. Die Debatte zeigt, wie schnell eine Gruppe pauschal zum Risiko erklärt werden kann – eine Erfahrung, die viele Menschen mit Behinderungen kennen. Solidarität über Behinderungsarten hinweg ist deshalb wichtig.

Wer steht dahinter?

Das Kontaktgespräch Psychiatrie ist der bundesweite Zusammenschluss führender Fach-, Wohlfahrts- und Selbsthilfeverbände im Bereich der Psychiatrie. Es fördert den Austausch zu fachlichen und sozialpolitischen Themen und vertritt gemeinsame Positionen gegenüber Öffentlichkeit und Politik. Weitere Informationen: https://www.google.com/url?q=https://www.dgsp-ev.de/allgemeines/kontaktgespraech-psychiatrie&source=gmail&ust=1791871073879000&sa=E

Thema: Informationen Gesundheit Selbsthilfe | 13.10.2026 |

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