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19.10.2026

Reha für blinde und sehbehinderte Menschen: DBSV fordert eigenen Studiengang

Wer sein Sehvermögen verliert, muss vieles neu lernen – vom sicheren Gehen mit dem Langstock bis zum selbstständigen Kochen. Doch es fehlen Fachkräfte, die das vermitteln. Zum Tag des weißen Stockes am 15. Oktober fordert der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) deshalb einen Bachelor-Studiengang.

Warum Reha den Alltag entscheidet

Menschen, die erblinden oder mit einer fortschreitenden Sehbehinderung leben, brauchen gezielte Unterstützung, um alltägliche Fähigkeiten zu erhalten oder neu zu erlernen. Dazu gehören vor allem Schulungen in Orientierung und Mobilität – etwa die sichere Fortbewegung mit dem Blindenlangstock – sowie in lebenspraktischen Fähigkeiten: selbstständig kochen, einkaufen, Geld verwalten oder Haushaltsgeräte sicher bedienen.

DBSV-Präsident Hans-Werner Lange bringt es auf den Punkt: Ohne Reha können Betroffene ihren Alltag nicht selbstständig bewältigen, was auch ihre gesellschaftliche Teilhabe massiv einschränkt. Genau hier zeigt sich, was Selbstbestimmung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention praktisch bedeutet: nicht abstrakte Rechte, sondern die Möglichkeit, allein zum Bäcker zu gehen oder die eigene Wohnung zu führen.

Ein Jahr Wartezeit – und es droht schlimmer zu werden

Der DBSV beschreibt einen gravierenden Mangel an Rehabilitationsfachkräften. Viele von ihnen scheiden in den kommenden Jahren aus dem Beruf aus. Gleichzeitig wird der demografische Wandel den Bedarf erhöhen, weil Sehbeeinträchtigungen und Blindheit besonders im höheren Lebensalter auftreten. Schon heute warten Betroffene in einigen Regionen Deutschlands rund ein Jahr auf ihre Reha-Schulung – ein Jahr, in dem Selbstständigkeit verloren gehen kann.

Teure Weiterbildung als Hürde

Bislang wird die Ausbildung zur Rehabilitationsfachkraft als Weiterbildung angeboten, die auf einem sozialen oder Gesundheitsberuf aufbaut. Für die Fachschülerinnen und Fachschüler ist sie mit hohen finanziellen Belastungen verbunden. Das erschwert es, Menschen für diesen Beruf zu gewinnen.

Die Forderung: ein Bachelor-Studiengang

Der DBSV fordert daher einen Bachelor-Studiengang „Rehabilitation bei Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit“. Ein Hochschulstudium würde einen strukturierten Zugang zum Beruf eröffnen, fachliche Entwicklungsperspektiven verbessern und eine verlässliche Grundlage für den Nachwuchs schaffen. Damit das gelingt, braucht es nach Ansicht des Verbands dringend die Unterstützung von Bund und Ländern – finanziell und bei der Umsetzung gemeinsam mit den Hochschulen.

Der Verband betont zudem: Eine flächendeckende Versorgung stärkt nicht nur Eigenständigkeit und Selbstbestimmung, sondern ist auch gut angelegtes Geld, weil sie das Sozialsystem von dauerhaften Folgekosten im Gesundheits- und Sozialbereich entlastet.

Hintergrund: Tag des weißen Stockes

Der 15. Oktober geht auf eine Resolution des US-Kongresses von 1964 zurück, die ihn zum „White Cane Safety Day“ erklärte. Daraus entwickelte sich ein weltweiter Aktionstag blinder und sehbehinderter Menschen. In Deutschland ist er seit 2002 zugleich der Abschlusstag der Woche des Sehens (https://www.google.com/url?q=http://www.woche-des-sehens.de&source=gmail&ust=1792216652689000&sa=E).

Was bedeutet das für Familien?

Auch für Familien von Menschen mit Mehrfachbehinderung, bei denen eine Sehbeeinträchtigung hinzukommt, ist das Thema relevant: Mobilitäts- und Alltagstraining sind Voraussetzungen für Teilhabe in Schule, Arbeit und Freizeit. Lange Wartezeiten treffen alle Altersgruppen.

Gut zu wissen: Die DBSV-Newsletter kann man sich auch telefonisch vorlesen lassen – über das DBSV-Infotelefon 030 / 2555 80808.

Quelle: Newsletter „dbsv-direkt“ Nr. 58-26 des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes vom 14. Oktober 2026. Weitere Informationen: https://www.google.com/url?q=https://www.dbsv.org/neuigkeiten.html&source=gmail&ust=1792216652689000&sa=E

Thema: Informationen Selbsthilfe | 19.10.2026 |

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