Selbsthilfe stärkt Versorgung – doch ihre Finanzierung wackelt
Mehr als 160 Aktionen zum Tag der Selbsthilfe, rund 50.000 Gruppen bundesweit – und trotzdem ist die Finanzierung der Selbsthilfekontaktstellen zunehmend unsicher. Die NAKOS zeigt, was Selbsthilfe leistet und was sie braucht.
Selbsthilfe: unverzichtbar für Gesundheit und Pflege
Zum Tag der Selbsthilfe 2026 fanden bundesweit mehr als 160 Veranstaltungen und Aktionen statt. Selbsthilfegruppen und -organisationen haben gezeigt, wie vielfältig ihre Arbeit ist. Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) betont: Selbsthilfe ergänzt die professionelle Gesundheits- und Pflegeversorgung und gewinnt an Bedeutung.
Die Zahlen sind beeindruckend: Mehr als 330 Selbsthilfekontaktstellen begleiten rund 50.000 Selbsthilfegruppen und -initiativen. Auch Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, bezeichnete die Selbsthilfe in einem Grußwort als unverzichtbaren Teil der Gesundheitsversorgung. Ein wenig vernachlässigt die NAKOS dabei die Selbsthilfeverbände, mit deren Dachorganisationen sie sich auch im “Wettbewerb” um Fördergelder befindet.
Finanzierung sichern
Gleichzeitig wird die Finanzierung der Selbsthilfekontaktstellen zunehmend unsicher. Die NAKOS fordert, sie auch in angespannten Haushaltslagen zu sichern und am wachsenden Bedarf auszurichten. Der Dachverband, die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen (DAG SHG), hat sich zudem in zwei Stellungnahmen geäußert:
- Zur Förderung der Selbsthilfe nach § 45d SGB XI fordert sie gleichwertige Förderbedingungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, verlässliche Anschlussförderung, weniger Bürokratie und eine verbindliche Beteiligung der Selbsthilfe.
- Zum Tag der pflegenden Angehörigen fordert sie eine verbindliche Finanzierung der Pflegeselbsthilfe durch Länder und Kommunen und längere Bewilligungszeiträume. Unterstützung brauchen pflegende Angehörige nicht nur in der ambulanten, sondern auch in der stationären Pflege – und über den Tod der pflegebedürftigen Person hinaus.
Ein Problem stellen auch zunehmend hohe bürokratische Anforderungen dar. Vor allem ehrenamtliche Selbsthilfe ist von Antragsformularen, Verwendungsnachweisen und vielen Detailvorschriften zunehmend so überfordert, dass keine Menschen mehr für diese Arbeit gefunden werden können.
Neue Angebote und Zugänge
Ein Lesetipp stellt die Forschungswerkstatt PARSEL der Hochschule Landshut vor, in der Studierende, Selbsthilfeaktive und Fachkräfte gemeinsam Ideen für die Selbsthilfe in Niederbayern entwickelt haben.
Was das für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien bedeutet
Für viele Familien ist die Selbsthilfe der erste Ort, an dem sie nach einer Diagnose Rat, Verständnis und Mut finden – Elterngruppen rund um das Down-Syndrom sind ein gutes Beispiel. Selbsthilfe stärkt Selbstbestimmung und Empowerment, ganz im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention, die die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen und ihren Organisationen ausdrücklich vorsieht. Damit das so bleibt, braucht es verlässliche Strukturen und eine gesicherte Finanzierung – gerade für pflegende Eltern, die oft kaum Zeit für sich selbst haben.
Weitere Informationen
:
https://www.nakos.de
https://www.selbsthilfe-unterstuetzen.de
https://impulse.nakos.de
Thema: Informationen Selbsthilfe | 15.10.2026 |