Wie Reha-Kliniken und Selbsthilfe besser zusammenarbeiten
Selbsthilfe und medizinische Rehabilitation verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Ein neuer Praxisleitfaden zeigt, wie die Zusammenarbeit konkret gelingen kann.
Wer steht hinter dem Leitfaden?
Das Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen (SPiG) hat einen Praxisleitfaden zur Kooperation zwischen Rehabilitationskliniken und Selbsthilfe veröffentlicht. Die BAG SELBSTHILFE – die Bundesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen – hat ihn an ihre Mitgliedsverbände verteilt.
Grundlage: das Projekt KoReS
Der Leitfaden beruht auf den Ergebnissen des Projekts „Selbsthilfefreundlichkeit und Kooperation mit der Selbsthilfe in Rehabilitations-Kliniken“ (KoReS). Er bietet praxisnahe Empfehlungen und Orientierung für drei Gruppen:
- Mitarbeitende von Reha-Kliniken,
- Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfegruppen,
- Selbsthilfekontaktstellen.
Warum diese Zusammenarbeit wichtig ist
Ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik ist zeitlich begrenzt. Danach geht das Leben mit Behinderung oder chronischer Erkrankung im Alltag weiter. Selbsthilfegruppen bieten hier etwas, das professionelle Angebote allein nicht leisten können: Erfahrungswissen von Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, gegenseitige Unterstützung und langfristige Begleitung.
Wenn Reha-Kliniken die Selbsthilfe kennen und aktiv einbinden, profitieren Patientinnen und Patienten doppelt: Sie erfahren frühzeitig, wo sie nach der Reha Unterstützung finden, und können Kontakte knüpfen, die über den Klinikaufenthalt hinaus tragen. Das stärkt Selbstbestimmung und Teilhabe – zentrale Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention und des Rehabilitationsrechts im SGB IX.
Bedeutung für Familien
Auch für Familien von Kindern und Erwachsenen mit Behinderung – etwa mit Down-Syndrom – kann eine selbsthilfefreundliche Reha-Klinik ein Gewinn sein. Eltern und Angehörige erhalten so leichter Zugang zu Elterngruppen und Verbänden, die mit Rat, Erfahrung und Informationen weiterhelfen.
Wer in einer Selbsthilfegruppe oder einem Verband aktiv ist, findet im Leitfaden Anregungen, wie man auf Reha-Kliniken zugehen und eine dauerhafte Kooperation aufbauen kann. Umgekehrt erhalten Kliniken Hinweise, wie sie Selbsthilfe strukturell in ihre Arbeit einbeziehen.
Wo gibt es den Leitfaden?
Der Praxisleitfaden wurde von der BAG SELBSTHILFE als PDF-Broschüre verteilt. Interessierte können sich an das Netzwerk SPiG, die BAG SELBSTHILFE oder die örtliche Selbsthilfekontaktstelle wenden.
Thema: Informationen Gesundheit Familie & Kind | 23.10.2026 |