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28.10.2026

Beteiligung ist ein Kinderrecht – junge Menschen in der Erziehungshilfe wollen mitentscheiden

80 junge Menschen und 40 Fachkräfte aus Einrichtungen der Erziehungshilfe in Nordrhein-Westfalen haben in Duisburg darüber beraten, wie Mitsprache im Alltag Wirklichkeit wird. Ihre Botschaft: Beteiligung darf nicht nur auf dem Papier stehen.

Zwei Tage, eine zentrale Frage

Wie können junge Menschen, die in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe leben, im Alltag wirklich mitreden und mitentscheiden? Um diese Frage ging es bei der Tagung „Beteiligung ist ein Kinderrecht!“ am 20. und 21. Oktober 2026 in der Jugendherberge Duisburg-Sportpark. Eingeladen hatten die beiden Landesjugendämter beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) und beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). 80 junge Menschen und 40 pädagogische Fachkräfte aus Einrichtungen in NRW tauschten sich darüber aus, wie Kinderrechte, Beteiligung und Selbstvertretung gestärkt werden können.

Die Themen der jungen Menschen im Mittelpunkt

Bemerkenswert ist, dass die Tagung nicht über junge Menschen sprach, sondern ihre eigenen Perspektiven in den Mittelpunkt stellte. In sieben Workshops ging es unter anderem um Beteiligung und Mitbestimmung, Vormundschaft, den Übergang ins Erwachsenenleben, Medien, die Erfahrungen junger Menschen mit Fluchtgeschichte und die Lebensrealitäten queerer junger Menschen. Zum Abschluss präsentierten die Teilnehmenden ihre Ergebnisse und Ideen. Parallel erarbeiteten die Fachkräfte Ansätze, wie sie die Selbstvertretung in stationären Einrichtungen unterstützen und verlässliche Beteiligungsmöglichkeiten schaffen können.

„Nur auf dem Papier“ reicht nicht

Die jungen Menschen formulierten deutliche Forderungen. Eine junge Vertreterin von „Jugend vertritt Jugend NRW“ kritisierte, Beteiligungsrechte seien viel zu häufig nur auf dem Papier zu sehen: Oft werde zwar nach Meinungen und Ideen gefragt, am Ende entschieden aber die Fachkräfte. Fachkräfte müssten bereit sein, Kontrolle abzugeben und Neues auszuprobieren; Machtgefälle müssten hinterfragt werden. Ein 14-jähriges Mitglied forderte, jungen Menschen müsse wirklich zugehört und auf Augenhöhe mit ihnen gesprochen werden – alle Meinungen sollten gleich viel wert sein.

Selbstvertretung als Prinzip

Vorbereitet wurde die Tagung von der Fachstelle „Gehört werden!“ gemeinsam mit „Jugend vertritt Jugend NRW“ (JvJ NRW). JvJ NRW ist die Selbstvertretung junger Menschen, die in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe in NRW leben, und bringt deren Erfahrungen und Anliegen in fachliche und politische Diskussionen ein. Die Fachstelle „Gehört werden!“ ist bei beiden Landesjugendämtern angesiedelt, wird vom NRW-Kinder- und Jugendministerium gefördert, berät junge Menschen zu ihren Rechten und unterstützt Einrichtungen und Jugendämter bei der Umsetzung von Partizipation – auch über die einzelne Einrichtung hinaus.

Die Anliegen erreichten direkt Entscheidungsträgerinnen und -träger: Zu den Gästen zählten Petra Ladenburger, NRW-Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte, sowie die Vorsitzenden der Landesjugendhilfeausschüsse von LVR und LWL und ihre Stellvertretungen.

Was das für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen bedeutet

Die Meldung nennt junge Menschen mit Behinderungen nicht ausdrücklich. Die Kernforderungen lassen sich aber direkt übertragen: Wer in einer Einrichtung lebt, ist besonders darauf angewiesen, dass Mitbestimmung verlässlich organisiert ist und nicht vom Wohlwollen einzelner Fachkräfte abhängt. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gehört dazu auch, dass Beteiligung barrierefrei ist – etwa durch Leichte Sprache, Unterstützte Kommunikation und genügend Zeit. Das Prinzip der Selbstvertretung, wie es JvJ NRW lebt, entspricht dem Leitgedanken der Behindertenbewegung „Nichts über uns ohne uns“. Spannend wäre, wenn künftige Formate solche Zugänge ausdrücklich mitdenken – damit wirklich alle jungen Menschen gehört werden.

Quelle: Pressemitteilung „Beteiligung ist ein Kinderrecht: Junge Menschen gestalten Jugendhilfe mit“ des Landschaftsverbands Rheinland (LVR aktuell) vom 22. Oktober 2026, https://www.google.com/url?q=https://www.lvr.de&source=gmail&ust=1793084375397000&sa=E

Thema: Informationen Familie & Kind Selbsthilfe | 28.10.2026 |

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