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23.10.2026

Geschwister von Menschen mit Behinderung – zwischen Liebe und Verantwortung

Geschwisterbeziehungen sind oft die längsten Beziehungen im Leben. Trotzdem werden Brüder und Schwestern von Menschen mit Behinderung in der öffentlichen Debatte kaum wahrgenommen. Ein neues Buch und ein Podcast der Journalistin Dunja Batarilo wollen das ändern.

Die vergessene Gruppe in der Familie

In Millionen Familien wachsen Kinder gemeinsam mit einer Schwester oder einem Bruder mit Behinderung, chronischer oder psychischer Erkrankung auf. Während sich der Alltag der Eltern häufig stark um das Kind mit Unterstützungsbedarf dreht, lernen die Geschwister oft früh, eigenständig zu funktionieren, eigene Bedürfnisse zurückzustellen und „leise“ zu sein. Ihre Lebensrealität kommt in Politik, Fachwelt und Medien bislang selten vor.

Die Journalistin Dunja Batarilo ist selbst Schwester eines Mannes mit Down-Syndrom. In ihrem bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur erscheinenden Buch „Anders. Für immer“ verbindet sie eigene Erfahrungen mit Berichten von mehr als 40 weiteren Geschwistern und mit Einschätzungen von Fachleuten.

Drei zentrale Themen

Parentifizierung: Geschwisterkinder übernehmen häufig früh Sorge- und Care-Aufgaben. Was von außen als besonders vernünftig, selbstständig und empathisch gelobt wird, ist laut dem Buch oft ein früh erlernter Bewältigungsmechanismus – mit möglichen Folgen bis ins Erwachsenenalter.

Die ungewisse Zukunft: Was passiert, wenn die Eltern eines Tages nicht mehr da sind? Fragen der Vorsorge, der rechtlichen Betreuung und der Pflege liegen fast immer stillschweigend bei den Geschwistern – oft begleitet von Schuldgefühlen, das eigene Leben unbeschwert zu genießen.

Inklusion braucht den Blick auf das Umfeld: Wer Inklusion ernst meint, darf die Angehörigen nicht vergessen. Geschwister brauchen eigene Freiräume, Aufklärung und gezielte Entlastungsangebote.

Warum das für Inklusion wichtig ist

Die UN-Behindertenrechtskonvention stellt Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt. Damit das gelingt, braucht es verlässliche Unterstützungsstrukturen – nicht nur in der Kindheit, sondern ein Leben lang. Wo Assistenz, Wohnangebote oder Beratung fehlen, springen häufig Familienangehörige ein. Das Buch macht deutlich: Gute Teilhabestrukturen entlasten auch Geschwister und ermöglichen ihnen, eine Beziehung auf Augenhöhe zu ihrem Bruder oder ihrer Schwester zu leben – aus Zuneigung, nicht aus Pflicht.

Für Familien kann es hilfreich sein, früh über Zukunftsplanung zu sprechen, die Wünsche des Familienmitglieds mit Behinderung einzubeziehen und Geschwisterkindern bewusst eigene Zeit und Ansprechpersonen zu geben.

Podcast und weitere Angebote

In ihrem Podcast „Für immer anders – und total normal“ lässt Dunja Batarilo Angehörige zu Wort kommen, die oft im Hintergrund standen. Sie spricht dabei ehrlich und ohne Romantisierung über das Spannungsfeld zwischen tiefer Geschwisterliebe und schleichender Überlastung. Hinweise auf Angebote und Veranstaltungen speziell für Geschwister bietet zudem die Initiative „Blick Punkt Geschwister“.

Quelle: Pressemitteilung der Verlagsgruppe Droemer Knaur vom 21. September 2026 zum Buch „Anders. Für immer“ von Dunja Batarilo

Thema: Informationen Gesundheit Familie & Kind Selbsthilfe | 23.10.2026 |

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