Gesundheit
Die ambulante Gesundheitsversorgung in Deutschland steht unter massivem Druck. In vielen Regionen fehlen bereits heute Hausärztinnen und Hausärzte, in fast einem Viertel der Landkreise gilt die Versorgungslage als gefährdet, in weiteren Teilen sogar als stark gefährdet. Besonders problematisch ist, dass junge Mediziner:innen zunehmend davor zurückschrecken, klassische Praxen zu übernehmen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Erwartungen an die Arbeitswelt haben sich verändert. Statt in alleiniger Verantwortung eine Praxis zu führen, bevorzugen viele eine Tätigkeit in multiprofessionellen Teams mit klaren Strukturen, geregelten Arbeitszeiten und besseren Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Der Vorschlag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), erneut eine Gebühr für Arztbesuche einzuführen, stößt beim Dachverband für chronisch kranke und behinderte Menschen auf deutliche Ablehnung. Die Maßnahme würde aus Sicht der Betroffenen vor allem jene treffen, die ohnehin mit erheblichen finanziellen Belastungen zu kämpfen haben.
Im Vorfeld der anstehenden Verbändeanhörung zum Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) äußert sich Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V., kritisch zum aktuellen Stand der Reform. Die ursprünglich angestrebte Neuausrichtung der Krankenhauslandschaft durch Konzentration und Spezialisierung sollte eine höhere Behandlungsqualität und mehr Patientensicherheit gewährleisten. Dieses Ziel gerät jedoch zunehmend in Gefahr.
Die maßgeblichen Patientenorganisationen zeigen sich irritiert über die angekündigte Klage der Länder Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt vor dem Bundesverfassungsgericht. Diese richtet sich gegen drei vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossene Maßnahmen zur Qualitätssicherung: die Mindestmengenregelung für die Versorgung von Extrem-Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm, die Mindestmengenregelung für allogene Stammzelltransplantationen sowie die Mindestanforderungen an Personalvorgaben in psychiatrischen Einrichtungen.
Mit den aktuellen Kabinettsbeschlüssen zum Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege sowie zum Pflegefachassistenzgesetz werden wichtige pflegepolitische Reformen angestoßen. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht darin einen bedeutenden Schritt zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe, weist jedoch auf mehrere Punkte hin, die aus Sicht der professionellen Pflege noch nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Der DKV-Report 2025 zeigt ein besorgniserregendes Bild der Gesundheitslage in Deutschland. Nur zwei Prozent der Bevölkerung erfüllen alle Kriterien für einen rundum gesunden Lebensstil. Besonders kritisch wird die digitale Gesundheitskompetenz bewertet: Mehr als die Hälfte der Befragten hat Schwierigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen korrekt zu verstehen und anzuwenden.
Der DBfK reagiert mit einem klaren Appell an die Politik: Es braucht dringend mehr präventive Gesundheitsstrukturen, die direkt in der Lebenswelt der Menschen ansetzen. DBfK-Präsidentin Vera Lux betont, dass viele Menschen nicht wissen, was ihrer Gesundheit nützt, wie sie entsprechende Maßnahmen umsetzen oder Informationen richtig bewerten können. Hier könnten Community Health Nurses und Schulgesundheitspflegende gezielt unterstützen – mit alltagsnaher Gesundheitsbildung bereits im Kindesalter, individueller Beratung und kontinuierlicher Begleitung vor Ort.
Die geplante Einstellung des Bundesklinikatlas durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat bei der BAG SELBSTHILFE großes Unverständnis und Entsetzen ausgelöst. Als Dachverband für chronisch kranke und behinderte Menschen warnt die Organisation eindringlich vor den Folgen dieses Schrittes für die Patiententransparenz und die Qualität der Krankenhausversorgung in Deutschland.
Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungsprojekt hat seit 2022 an der Universität Heidelberg Rahmenbedingungen für ein mögliches genomisches Neugeborenen-Screening in Deutschland erarbeitet. Ziel des Projekts „NEW_LIVES“ ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass künftig das gesamte Genom von Neugeborenen auf genetisch bedingte Erkrankungen untersucht werden kann. Ein solches Screening würde eine frühzeitige Diagnose ermöglichen und damit die Chancen auf eine rechtzeitige Behandlung verbessern.
Der Tag beginnt für viele mit einer dampfenden Tasse Kaffee – für manche ist sie sogar unverzichtbar. Was viele nicht wissen: Das beliebte Heißgetränk kann die Wirkung verschiedener Arzneimittel beeinflussen. Dieser Beitrag beleuchtet, wie Kaffee mit Medikamenten interagiert, welche Kombinationen ärztlich bedenklich sein können und worauf Patientinnen und Patienten beim Kaffeegenuss achten sollten.
Kaffee enthält zahlreiche bioaktive Substanzen, am bekanntesten ist Koffein. Es regt das zentrale Nervensystem an, steigert kurzfristig die Konzentration und vertreibt Müdigkeit. Doch Koffein kann auch die Aufnahme, den Abbau und die Wirkung von Medikamenten im Körper verändern. Darauf weist Dr. André Breddemann hin, Arzneimittel-Experte bei der BARMER.
Etwa 9,2 Stunden täglich sitzen Menschen in Deutschland – Tendenz steigend. Dabei ist der menschliche Körper für Bewegung gemacht, nicht für dauerhafte Inaktivität. Wer zu viel sitzt, riskiert ernsthafte gesundheitliche Folgen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Doch die gute Nachricht ist: Bereits kleine Veränderungen im Alltag können das Risiko deutlich senken.
Bis in die frühen 2000er war es in deutschen Büros nicht ungewöhnlich, dass beim Arbeiten geraucht wurde. Obwohl die gesundheitlichen Risiken bekannt waren, dauerte es lange, bis gesetzliche Regelungen wie der Nichtraucherschutz in Kraft traten. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Satz „Sitzen ist das neue Rauchen“ von Dr. James A. Levine an Bedeutung. Denn obwohl längst bekannt ist, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist, verbringen viele Menschen immer mehr Zeit im Sitzen. Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2023 hat sich die durchschnittliche tägliche Sitzzeit von 8,7 Stunden (2021) auf 9,2 Stunden erhöht. Besonders betroffen sind Menschen im Homeoffice: Sie verbringen im Schnitt 11,5 Stunden pro Tag sitzend.
In einem kommunalen Krankenhaus in Brandenburg wurde kürzlich die Geschäftsführungsposition für den Pflegebereich ersatzlos abgeschafft – ein Schritt, der exemplarisch für einen bundesweiten Trend steht. Immer häufiger werden pflegerische Führungsstrukturen auf oberster Leitungsebene gestrichen, obwohl zahlreiche Studien die Bedeutung einer pflegefachlich verankerten Führungsebene für Qualität, Sicherheit und nachhaltige Versorgung belegen.
Am 28. und 29. Oktober 2025 lädt die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) nach Berlin zum diesjährigen Jahreskongress. Im Mittelpunkt stehen junge Menschen mit komplexen gesundheitlichen Herausforderungen – sei es durch körperliche Einschränkungen oder psychische Belastungen. Der Kongress geht der Frage nach, wie individuell benötigte Anpassungen in verschiedenen Lebensbereichen gelingen können.
Mehr Demokratie e.V. und das nexus Institut haben ein gemeinsames Konzept erarbeitet, um die geplante Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen durch die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger zu erweitern. Beide Organisationen betonen, dass Politik und Wissenschaft nicht im Alleingang klären sollten, welche Entscheidungen im Umgang mit der Pandemie falsch oder richtig waren. Schon während der Pandemie sei es häufig an Alltagsverstand gefehlt – genau dieser solle jetzt in die Aufarbeitung einfließen, sagt Roman Huber, geschäftsführender Bundesvorstand von Mehr Demokratie e.V. Die Erfahrungen einer alleinerziehenden Mutter, isolierter Kinder oder überlasteter Pflegekräfte seien unverzichtbar für eine ehrliche Debatte.
Der Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2025 gibt aus Sicht des Paritätischen Gesamtverbands Anlass zur Sorge. Zwar setzt der Entwurf finanzpolitische Rahmenbedingungen, doch aus sozialer Perspektive bleiben zentrale Anliegen unberücksichtigt – mit spürbaren Auswirkungen auf gesellschaftliche Teilhabe und soziale Sicherung.
Eine neue Auswertung des Deutschen Alterssurveys macht deutlich, dass Einsamkeit keineswegs nur ein Thema des Alters ist. Vielmehr zeigt sich, dass Menschen zwischen 40 und 60 Jahren besonders häufig betroffen sind – sogar häufiger als Personen über 76. Etwa jede elfte befragte Person ab 43 Jahren beschreibt sich als „sehr einsam“. Dabei sind es gerade die Jahre der Lebensmitte, in denen viele Menschen zwischen familiären Verpflichtungen, beruflichem Druck und gesellschaftlichen Erwartungen den Anschluss an echte soziale Verbundenheit verlieren.
Die Ankündigung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, den Bundesklinikatlas einstellen zu wollen, sorgt bei der BAG SELBSTHILFE, dem Dachverband der Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen, für tiefes Unverständnis und große Sorge. Seit Mai 2024 stellt das Portal ein zentrales Instrument dar, um Patientinnen und Patienten bei der Auswahl geeigneter Krankenhäuser zu unterstützen. Insbesondere für chronisch kranke und behinderte Menschen ist es oft essenziell, gezielt nach Kliniken mit spezifischer Expertise und entsprechender Versorgungsqualität suchen zu können.
Die BAG SELBSTHILFE begrüßt den Gesetzesentwurf zur Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung als wichtigen Schritt zur Sicherung der pflegerischen Versorgung und zur gezielten Entlastung des Fachpersonals. Ein klar definiertes Berufsprofil mit verbindlichen Qualifikationen und Aufgabenverteilungen kann zur strukturellen Stärkung des Gesundheitssystems beitragen und insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels wertvolle Potenziale erschließen.
Die Einführung einer eigenständigen Assistenzqualifikation bietet die Möglichkeit, Pflegefachpersonen durch die Übertragung geeigneter Tätigkeiten zu entlasten und gleichzeitig die Rolle der Assistenzkräfte zu professionalisieren. Ein transparenter Kompetenzrahmen fördert nicht nur die Qualität der Versorgung, sondern auch die berufliche Identifikation und die Anerkennung innerhalb interprofessioneller Teams.
Der Appell aus Sicht von Wohlfahrtspflege, Gewerkschaft sowie Umwelt- und Sozialverbänden fordert Bundestag und Bundesrat auf, mit dem Bundeshaushalt und den geplanten Sondervermögen den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Anlässlich der Beratung des Bundeshaushalts 2025 im Bundestag appelliert ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis an die Verantwortung von Bundestag und Bundesrat, sozial-ökologische Versäumnisse der Vergangenheit zu korrigieren. Es seien dringend massive Investitionen in die öffentliche und gemeinnützige soziale Infrastruktur erforderlich.
Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: „Ich begrüße, dass die Bundesgesundheitsministerin mit der Einladung zur hochrangigen Bund-Länder-AG Themen der Pflegepolitik erkennbar priorisiert. Es ist wichtig, zeitnah einen „Zukunftspakt Pflege“ mit den Ländern zu schmieden und es ist richtig, dabei den Fokus auf Versorgungssicherheit und Finanzierung zu legen.
Angesichts der Hitzewelle in Deutschland fordert Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa ein entschlossenes Maßnahmenpaket zum langfristigen Klima- und Hitzeschutz. Die politischen Entwicklungen der letzten Monate werfen jedoch Fragen auf: Zwar hat der Deutsche Bundestag im Frühjahr mit verfassungsändernder Mehrheit ein Sondervermögen beschlossen, um bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen, doch nur wenige Wochen später drehen sich die öffentlichen Debatten um Wärmepumpenförderung und Strompreise, als hätte es diesen Konsens nie gegeben.
Der Deutsche Caritasverband sieht diese Entwicklung mit großer Sorge. Die aktuelle Hitzewelle macht deutlich, wie dringend umfassende Maßnahmen notwendig sind – besonders für jene Menschen, die am stärksten unter den Auswirkungen leiden. Dazu gehören ältere Menschen mit geringem Einkommen, die in schlecht isolierten Wohnungen leben, und Beschäftigte in sozialen Berufen, die den heißen Temperaturen oft schutzlos ausgeliefert sind.
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